Oberschlesien

Guten Tag und herzlich Willkommen auf meiner Schlesien-Seite.

Dzien dobry i serdecznie witam na mojej Slask-stronie.

Die Silberkoppe (785m, links) und die Bischofskoppe (889m). Srebna Kopa (lewostronny) i Biskupia Kopa.

"Schlesien-Seite" ist eigentlich nicht ganz korrekt, denn ich werde hier nicht ganz Schlesien vorstellen; vielmehr geht es um meinen persönlichen Bezug zu einem schönen Fleckchen Erde in Oberschlesien.

Oberschlesien reizt mich deshalb besonders, weil die Wurzeln unserer Familie dort liegen. Mein Vater wurde nämlich in Wiese gräflich, heute Laka Prudnicka geboren. Schon als kleines Kind habe ich fasziniert den Geschichten "von derheame" zugehört, den Klang des Dialektes, "pauersch", habe ich noch gut im Ohr. Heute spricht fast niemand mehr in unserer Familie diesen Dialekt und ich selbst habe ihn auch nie gelernt. Immer schon wollte ich Wiese gräflich kennen lernen und dort hin fahren. 1994 war ich zum ersten Mal dort und habe das Elternhaus meines Vaters gesehen. Seit dem war ich mittlerweile viele Male in Schlesien und speziell in Wiese gräflich/ Laka Prudnicka.

Faszinierend sind jedoch nicht nur die Häuser als Zeugen vergangener Zeiten, sondern besonders auch die Menschen, die heute dort leben. Selbst Vertriebene aus dem Lemberger Gebiet, sind sie im Sommer 1945 in Wiese gräflich angesiedelt worden. Das Zusammenleben mit den verbliebenen deutschen Einwohnern war schwierig und von Misstrauen, Hass und auch Gewalt geprägt. Die Deutschen waren entrechtet und der Willkür der polnischen Miliz ausgeliefert. Am 28. November 1945 sind die deutschen Einwohner aus Wiese gräflich vertrieben worden. So war die Sicht auf die neuen polnischen Einwohner geprägt von Hass und Missgunst. Ich selbst bin in diese Sichtweise hineingewachsen. Schon mein erster Besuch in Wiese gräflich hat meine Sicht allerdings entscheidend verändert. Ich bin auf gastfreundliche und offene Menschen gestoßen. Zu den heutigen Besitzern der Höfe meiner Vorfahren hat sich eine freundschaftliche Beziehung, frei von Misstrauen und Vorwürfen entwickelt. Die persönlichen Begegnungen haben dazu geführt, dass ich jeden Revisionismus grundsätzlich ablehne. Wenn ich heute nach Wiese gräflich/ Laka Prudnicka fahre, komme ich als Freund zu Freunden.

Schloss Wiese gräflich auf einer historischen Postkarte. Zamek w Lake Prudnickiej na dawnej pocztówce.

Wiese gräflich/ Laka Prudnicka liegt im Kreis Neustadt/ Prudnik in Oberschlesien/ Górny Slask. Das Dorf wird durchzogen vom Goldbach/ Zloty Potok. Von Neustadt kommend findet man rechts am Ortseingang das Schloss Wiese gräflich, das bis 1945  der Familie von Choltitz gehörte. Es ist mittlerweile zu einer Ruine verfallen, hat aber im Herbst 2006 einen neuen Besitzer gefunden, der es restaurieren und zu einem Hotel ausbauen möchte. Am Schloss biegt man links von der "Chaussee" ab, um in den Ort zu gelangen. Die Häuser und Höfe ziehen sich links und rechts des Goldbaches entlang. Folgt man der Schlossstraße, gelangt man über die Schlossbrücke an die südlich des Goldbachs gelegene Straße. Seit der Einführung von Straßennamen vor wenigen Jahren heißt sie "Ulica Jana Pawla II" (Papst-Johannes-Paul II-Straße). Sie ist auch ein Stück weiter oberhalb des Goldbaches über die "Hohe Brücke" zu erreichen. An dieser Straße liegt auch das Elternhaus meines Vaters, früher "Wiese gräflich Nr. 84". Nördlich des Goldbachs verläuft die Straße "Ulica Nad Zlotym Potokiem" (Straße am Goldbach). An dieser Straße liegt der Hof meines Urgroßvaters Karl Sauer, der von 1936 bis 1945 Amtsvorsteher und Bürgermeister von Wiese gräflich war. Fußgänger müssen aber nicht ganz bis zu den beiden Verkehrsbrücken laufen, um über den Goldbach zu gelangen, sondern können die "Steige" benutzen, die den Goldbach mehrfach im Ort überspannen. Am "Grenzviehweg" geht Wiese gräflich nahtlos in den Ort Langenbrück/ Moszczanka über. Gut sichtbar von Wiese gräflich/ Laka Prudnicka aus ist der höchste Berg Oberschlesiens, die Bischofskoppe/ Biskupia Kopa (889m). Sie ist ein besonders schönes Ausflugsziel und man hat bei klarem Wetter eine wunderbare Sicht ins oberschlesische Land und ins Altvatergebirge. Über ihren Kamm verläuft die Grenze zu Tschechien und der Aussichtsturm, die Kaiser-Franz-Josef-Warte liegt auf tschechischem Gebiet.

Das Elternhaus meines Vaters. Das konnte er da allerdings noch nicht wissen, denn das war um 1912. Das große Gebäude ist das Wohnhaus, dahinter fügen sich Kuhstall und Scheune an. Das frei stehende Gebäude rechts ist der damals neu errichtete Schweinestall. Hinter der Scheune verläuft die Straße, heute Ulica Jana Pawla II.

Das ist fast die selbe Perspektive, ungefähr 95 Jahre später, 2006. Die Wirtschaftsgebäude sind abgerissen worden und am Wohnhaus ist einiges umgebaut. Die Häuser in der Mitte und rechts gehörten und gehören nicht zum Hof.

Der Goldbach/ Zloty Potok von einem der Steige aus.

Oberschlesien ist überwiegend katholisch, unsere Familie gehörte zu den wenigen Evangelischen im Ort. Sie gehörten zur Evangelischen Kirchengemeinde Neustadt und hatten in Neustadt eine große ev. Kirche, die Christuskirche. Sie steht heute nicht mehr. Die Toten in unserer Familie wurden allerdings nicht in Neustadt, sondern auf dem evangelischen Friehof in Langenbrück beerdigt, obwohl Langenbrück zur Kirchengemeinde Schnellewalde/ Szybowice gehörte. Der Friedhof in Langenbrück/ Moszczanka ist zwar verwildert, aber er existiert noch.

Die Evangelischen aus dem Kreis Neustadt haben sich nach der Vertreibung und Versprengung im gesamten Nachkriegsdeutschland nicht ganz aus den Augen verloren. Der letzte evangelische Neustädter Pastor, Johannes Leuchtmann initiierte die KREUZGEMEINE NEUSTADT, zunächst nur für seine Neustädter Gemeindeglieder, dann auch für alle Evangelischen aus dem Kreis Neustadt. Pastor Leuchtmann schrieb Rundbriefe und hielt Gottesdienste für die Neustädter. Später veranstaltete die KREUZGEMEINE NEUSTADT Kirchentage in Weyhe-Leeste und Bibelfreizeiten im Monbachtal/ Nordschwarzwald. So ist der Kontakt unter den Vertriebenen erhalten geblieben. Die Rundbriefe werden bis heute geschrieben, seit 2003 von mir. Sie dienen der Kontaktpflege und der Vergegenwärtigung schlesischer, evangelischer Kirchentradition, vor allem in Bezug auf das Neustädter Kreisgebiet. Der Rundbrief wird dreimal jährlich an die Mitglieder der KREUZGEMEINE NEUSTADT versandt.

Der Name "Kreuzgemeine Neustadt" ist übrigens dem Lied "Christe, du Beistand deiner Kreuzgemeine" des Neustädter Liederdichters Matthäus Apelles von Löwenstern (*1594 in Neustadt, + 1648 in Breslau) entnommen.

Folgende Literatur zum evangelischen Kirchenleben im Kreis Neustadt ist durch Mitglieder der KREUZGEMEINE NEUSTADT veröffentlicht worden:

  • Schnellewalde/ Szybowice: Herrmann, Richard/ Zobel, Horst: 200 Jahre Evangelisch-Luth. Kirche Schnellewalde. O.O. 1984
  • Dittmannsdorf/ Mieszkowice: Irmer, Walter: Evangelische Kirchengemeinde Dittmannsdorf. O.O. 1988
  • Ellsnig/ Olszynka: Kerner, Paul: 100 Jahre Evangelische Kirche Ellsnig. Eine Dankschrift. O.O. 2000
  • Kreis Neustadt/ Prudnik powiat: Leuchtmann, Johannes: Das Evangelium im Neustädter Land. Lübeck 1978
  • Neustadt/ Prudnik: Rinke, Christoph: Christuskirche Neustadt O/S. Eine Gedenkschrift zum 100. Jubiläum. O.O. 2004

 

Bei Interesse bitte eine email schicken:

neustadt-oberschlesien@trompetenfuzzi.de

Weitere Informationen über den Kreis Neustadt/ Prudnik erhält man bei der Historischen Kommission für den Kreis Neustadt/ Oberschlesien e.V. (s. Lieblings-Links).

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